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Kurzweilige Signaturlesung in der Bücherei Kressbronn

11.06.2024

Sechs Lesende, zwölf Bücher, ein Thema

 

Kressbronn – Wie schon in 2022 lud die „Literarische Vereinigung Signatur e. V.“ am 28. Mai 2024 in Kooperation mit der Gemeindebücherei Kressbronn auch heuer zur Lesung „Literarische Fundstücke“ ein, gleichsam als „Appetizer“ auf den aktuellen Schreibwettbewerbs-Titel „Lässt sich das noch reparieren …?“ Sechs Vorstandsmitglieder präsentierten Buchauszüge verschiedenster literarischer Gattung von der Renaissance bis in die Moderne. 

Zum Auftakt las Wolfgang Mach die Kurzgeschichte „Das ist unser Manifest“ von Wolfgang Borchert aus dessen Buch „Draußen vor der Tür“. Sie handelt von der Heimkehrerproblematik nach dem 2. Weltkrieg, um äußere Zerstörung und innere Zerrissenheit und um das Bekenntnis: nie mehr! 

Vom Mut dreier erschöpfter und unterbezahlter Frauen, sich nach antikem Vorbild zu verweigern, handelt das neue Buch „Und alle so still“ von Mareike Fallwickl, aus dem Monika Moser das Kapitel über die Krankenpflegerin Ruth ausgesucht hatte. Ruth arbeitet in einer Klinik, die beispielhaft den gegenwärtigen Pflegenotstand spiegelt: Sparzwang, Personalnot, Überlastung. Die Folge: sie kann nicht mehr. 

Nach drei Kurzgedichten von Jakob van Hoddis, Bertolt Brecht und Hans Magnus Enzensberger schilderte Lorenz Göser überaus anschaulich, wie in Afghanistan einst zerbrochenes Porzellan kostengünstig repariert wurde, indem man die Scherben durch winzige Bohrlöcher einfach wieder miteinander verdrahtete. Genial!

Um Scherben eines gebrochenen Herzens geht es in dem von Roswitha Stumpp vorgetragenen autobiographischen Gedicht „Ein Jüngling liebte ein Mädchen“ von Heinrich Heine. Weit erfreulicher die siebte Geschichte aus dem „Decamerone“ von Giovanni Boccaccio (1350), in der die wegen Ehebruchs angeklagte Madonna Philippa dank ihrer geschickten Wortwahl freigesprochen wurde. 

Das Wangener Theater-Duo Monika Schüler und Hajo Fickus gestaltete die Texte von Thomas Bernhard, Johann Wolfgang v. Goethe, Christoph Meckel als durchgängige szenische Lesung, mal einzeln, mal dialogisch, mal musikalisch untermalt. Und auch hier - wie z. B. im zuletzt rezitierten Gedicht „Das zerbrochene Ringlein“ von Joseph von Eichendorff – war von zerstörtem Vertrauen die Rede. Ob es je repariert wurde, blieb offen. 

 

Weitere Informationen zur Signatur-Förderpreisausschreibung "Lässt sich das noch reparieren?" (Einsendeschluss 30. Juni 24) unter www.signatur-literatur.de

 

Bild zur Meldung: Signatur-Vorstandsmitglieder von links: Roswitha Stumpp, Lorenz Göser, Wolfgang Mach, Monika Schüler, Ingrid Koch, Monika Moser und Hajo Fickus. Foto: Helga Müller