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Jubiläumsabend "15 Jahre Förderpreis Signatur"

24.10.2019

Was gibt‘s Neues vom Schreibtisch?

 

Von Annette Rösler

 

Erschienen am 24. Oktober 2019 in der Schwäbischen Zeitung Tettnang

 

Bei einem Jubiläum im Marktplatz der Volksbank Tettnang haben am Dienstagabend Freunde der literarischen Vereinigung „Signatur“ die Gelegenheit bekommen, Neues vom Schreibtisch vier preisgekrönter Autorinnen zu hören. Nach einem tollen Auftakt mit dem „Allgäu Jazz Quintett“, das den musikalischen Part des Abends übernommen hatte, begrüßte der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Friedrichshafen-Tettnang, Jürgen Strohmaier, die zahlreichen Gäste.

Er dankte der Signatur-Vorsitzenden und Organisatorin Angelika Banzhaf für ihr Engagement. Seit 15 Jahren schreibt „Signatur“ alle zwei Jahre einen Förderpreis für Autoren aus der Region aus. Das Preisgeld wird von der Volksbank gestiftet, insgesamt 24 Preisträger hat es in den 15 Jahren gegeben. „Ich bin immer gern nach Herrn Strohmaier dran, da wird man so freundlich begrüßt“ meinte Sylvia Zwisler, die Bürgermeister Bruno Walter vertrat. „Im Namen der Stadt Tettnang viele Grüße und einen Dank an die „Signatur“ und an Angelika Banzhaf“.

Gewissen und Ego in Form einer Handpuppe im anschließenden Sketch von Jury-Mitglied Hajo Fickus eröffneten das Programm. „Es gibt nichts Neues, keine Folter, keine Epidemien, kein Mord im Schloss-Café – mir fällt nichts ein.“ Dann schreib‘ eben darüber, dass dir nichts einfällt. Ein Schlusspunkt kann auch ein Anfang sein.“

Margrit Wolff aus Tettnang war die erste im Autorenreigen. Sie hatte im Jahr 2014 einen Preis gewonnen und erzählte, wie sie als Jugendliche trotz einiger Widrigkeiten die Freude am Schreiben entdeckt hat. Ihre „Pinselstriche“ befassten sich mit einem ernsten Thema. Bewaffnete Männer in Springerstiefeln suchen einen Maler auf, der aus Angst die roten Pinselstriche auf seinen Bildern mit Himbeergrütze und Erdbeerkuchen erklärt und dadurch als Irrer gilt und in Ruhe gelassen wird, aber von Erinnerungen an Blut und Kriegssituationen gequält wird.

Roswitha Stumpp schilderte ihre Freude, als sie 2008 den Preis erhalten hatte. Begonnen hat sie als Jugendliche mit Gedichten, jetzt schreibt sie Kurzgeschichten und Glossen. Ihre Herbstgeschichte lässt reife Walnüsse auf das Trottoir plackern und Menschen, die normalerweise von Rückenschmerzen geplagt werden, sich erstaunlich oft danach bücken. Die Walnuss sehe ja aus wie ein Gehirn. Der schwäbische Spruch „Herr schmeiss Hirn ra“, passe da gut. Um Nüsse nach Berlin zu schicken, würde sie sich glatt zum Auflesen melden“.

Journalistin Andrea Edler, die 2006 einen Förderpreis erhalten hat und jetzt in Freiburg lebt, schreibt unter anderem Kurzgeschichten für den Rundfunk. Ihr Beitrag „Nimbostratus“, eine Regenwolke, trägt sich auf der Höri zu. Nadja trifft in ihrem Haus auf den Maler Dix und auf den Schriftsteller Hesse, es wirkt, als ob sie tatsächlich auf ihrem Sofa sitzen und sich mit ihr unterhalten.

Annette Hengge aus Kressbronn verriet, dass sie sich von ihrem Preisgeld 2018 ein Paddle Board gekauft hat. Beim Plätschern auf dem Bodensee kämen die Ideen. „Leidenschaft“ erzählt von einem Blinddate mit einem attraktiven Mitdreißiger. Man habe ja klare Vorstellungen von solchen Treffen und könne sich so ganz auf die Leidenschaft konzentrieren. Nach dubiosen Vermutungen stellt sich heraus, dass es bei dem Blinddate um Leidenschaft bei dem Buchstabenspiel „Scrabble“ geht, ein kleines Happyend inbegriffen.

Gedankenspiele zum Weltspartag, über Zinsen, die es nicht mehr gibt und darüber was Bankleute so den ganzen Tag machen, gab Roswitha Stumpp zum Besten. Hajo Fickus dichtete als Dichter eine Dichtung und zum Ausklang gab es reichlich Applaus.

 

Foto: Seit 15 Jahren gibt es den Förderpreis und das wird gefeiert mit Hajo Fickus, Jürgen Strohmaier, Angelika Banzhaf, Margrit Wolff, Annette Hengge, Andrea Edler, Roswitha Stumpp, Dirk Boden (von links). (Foto: Annette Rösler)