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Koch und Rheineck unterhalten im D&D

16.07.2019

Vom Mähroboter Robby, der Sommerlust und einer Beschwerde an Mister Sommer

 

 

Von Annette Rösler

 

Hiltensweiler - Zum zweiten Mal hat die literarische Vereinigung Signatur zu einer Lesung in den Dorftreff Hiltensweiler eingeladen und viele sind gekommen. Die bekannte „Worthandwerkerin“ Ingrid Koch aus Tettnang und der kreative Dichter Axel Rheineck aus Langenargen begeisterten mit Poesie, spritzigem Witz und Nachdenklichem das Publikum. Monika Sprenger vom Dorfladen & Dorftreff in Hiltensweiler begrüßte die Gäste und freute sich auf „sommerlich spritzige Texte, bei denen vielleicht auch ein kleines Gewitter dabei ist.“

 

Gerne hätten wir die Lesung in unseren schönen D&D-Garten verlegt, aber leider war uns das Wetter nicht hold,“ bedauerte Sprenger. Doch der guten Stimmung tat dies keinen Abbruch, alle warteten gespannt auf die Worte der beiden Poeten. Axel Rheineck, der aus Remscheid stammt, Gedichte im Montfort-Boten veröffentlicht und seit 2005 in Langenargen zuhause ist, bedankte sich zu Beginn bei Ingrid Koch dass er „in ihrem Kielwasser der Berühmtheit mitschwimmen darf“, was diese mit einem etwas genanten „genug des Lobs“ bedachte.

Bei Rheinecks erstem Gedicht ging es um den im Schwabenland „Reingeschmeckten“, der trotz kräftigsten Strampelns, die schwäbische Sprache und das Brauchtum zu lernen, erkennen muss, dass „die größte Gottesgabe ganz zweifellos immer der Original-Schwabe ist“. „Sonne, Wärme, Luft befreit, Freunde, es ist Sommerzeit – leicht geschürzt, trotz Bauch und Falte, so erkennt man endlich Alte“, reimte er. Mit liebevollem Humor nahm Axel Rheineck die sich anschleichenden Gebrechen der Senioren aufs Korn und empfahl einen „Kniefall vor der Pharmazie“, die in Form von Salben und Pillen versteht, manchen Schmerz „zu killen“. Ein „Zwiegespräch mit einem edlen Tropfen“, die Beschreibung des Genusses beim Naschen von Süßem und ein Gedicht über perfekten Espresso, ließ die Zuhörer Rheinecks Freude am Umgang mit der Sprache spüren. Seine Gedichte hat Axel Rheineck in seinen Büchern „Litera-Türchen“ und „Hirn im Schaukelstuhl“ veröffentlicht. Die kompletten Bücher mit Text, Bildern und Layout sind in Eigenregie entstanden.

 

Einstieg mit Witz

 

„Hoffentlich können Sie nach Axel Rheineck mit meiner Tettnanger Zunge leben. Zum Einstieg von Ingrid Koch eine Frage ans Publikum: „Kennen Sie das Senioren-Memory? Ein älteres Ehepaar geht in den Keller, da sagt der Mann, wem zuerst einfällt, was wir hier wollten, der hat gewonnen.“ Dann griff Ingrid Koch zum Smartphone und schimpfte über die extreme Hitze in den letzten Wochen und sagte „jetzt hast du uns auch noch in Hiltensweiler mit deinem Wetter den Abend im Garten versaut - und „Tschüss Mister Sommer“.

In ihren weiteren Sommertexten ging es um Schneckenmord, das Draculagesindel der Schnaken und um „Robby“, den Rasenroboter. Optisch nett anzusehen sei er, nicht fett, außerdem Veganer, er fresse nur Gras. Sie sehe ihn von ihrem Bad aus auf dem Rasen des neuen Nachbarn und Robby sei immer allein, schon richtig „depri“. Während seiner Arbeit fährt er auf eine junge Malve zu, in die er sich verliebt. Doch als er sie wiedersieht, ist sie welk und Robby entliebt sich wieder, „wie bei de Leut“. Da sieht er eine erblühte Margerite, doch die wird von der Hausherrin gepflückt. „Jetzt hat er im Karree koi Junge und koi Alte mehr!“

Das Klagelied einer Männer-Short ging den Zuhörern richtig ans Herz. Ihre Liegezeit im Schrank endet im Mai. Dann hängt sie an ihm, der „Hosenknopf am Bauch schreit Barmherzigkeit“, sie schaut an sich herunter und sieht Stoppelbeine mit weißen Socken und Sandalen, also das „Uferstraßenmodell“ schlechthin, sie schämt sich und sehnt sich zurück in den Schrank. Beide Poeten hatten zum Thema „hüllenlos Baden im See“ etwas zu erzählen. Ingrid Koch bevorzugte die Dunkelheit und umarmte versehentlich einen jungen „Adonis“, den sie, trotz einiger Ungereimtheiten, für ihrem Ehemann hielt, Axel Rheineck erfrischte sich frühmorgens und traute sich nicht mehr aus dem Wasser, weil ein „gestandnes Weib“ am Ufer auftauchte. Nach einem Riesenapplaus und vielen Dankesworten hieß es dann „Guats Nächtle“. Ganz spontan spielte ein Zuhörer noch „Amazing Grace“ auf der Mundharmonika.

 

Erschienen am 16. Juli 2019 in der Schwäbischen Zeitung Tettnang

 

 

 

Foto: Ingrid Koch und Axel Rheineck unterhalten das Publikum mit Poesie, Witz und Nachdenklichem. Foto: Rösler