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April-April-Lesung begeistert Zuhörer

14.04.2019

Salziger Zopf und teurer Winterspeck

 

Von Helga Müller

 

Erschienen am 23. April in der Schwäbischen Zeitung Tettnang

 

Laimnau- Ingrid Koch und weitere Autoren aus der Gruppe „Texte am Abend“, die zur Literarischen Vereinigung Signatur Tettnang gehört, haben mit ihrer „April- April“-Lesung den Nebenraum im Ritter in Laimnau komplett gefüllt.

Die Moderatorinnen Rita Schade und Helga Müller nahmen das Publikum mit auf eine literarische Reise und stellten die Autoren mit kernigen Worten vor. Fritz Hittinger unterstrich mit seinem Akkordeon alle Texte und brachte zudem zwei Kollegen vom Seemannschor mit, welche die Lesung mit ihren umgedichteten Nordseeliedern „Dass du mein Schätzle bist“ und „Sah ein Schwab ein Sößlein stehen“ bereicherten.

Margrit Wolf erzählte von ihrem Heiligsblechle, dem sie nach dem Winter eine Wäsche angedeihen lassen wollte. Vermeintliche Kratzer entpuppten sich als eingebrannter Vorjahresdreck.

Ottmar Meschenmoser ließ die Zuhörer in schwäbischer Reimform an seinen Beobachtungen in der Stadt teilhaben. Er nahm mit dem Maerati in der Stadt“ die Schweizer Schnellfahrer aufs Korn, bevor manch Hundebesitzer sich im Gedicht „Dr Hund und sei Herr“ wiedererkannte. Es folgte Marion Pesce, deren Hund aufs Frühlingserwachen und Gassigehen wartete. Frauchen allerdings war mit dem Frühjahrsputz beschäftigt und so träumte sich Susi in den nächsten Hunde-Discounter, in dem es aus den Regalen herrlich duftete.

 

Im Nähzimmer gibt’s Tumult

Gesina Hittinger ließ das Publikum an einer Reise nach Berlin teilhaben. Kurz angebunden und schnoddrig flogen ihr Sprüche entgegen, die sie so schon lange nicht mehr gehört hatte.

Ingrid Koch zog die Literaturbegeisterten dann mit ihrer besonderen Art des Vortrages in unterschiedliche Kurztexte. Aus ihrem großen Repertoire las sie passende Episoden für ein gelungenes und scherzhaftes Ende vor der Pause.

Im zweiten Teil las Marion Pesce die Geschichte vom Osterzopf, bei dem die kleine Lisa Zucker mit Salz verwechselte. Ottmar Meschenmosser widmete sich den Eigenheiten des sparsamen Schwaben und beschäftigte sich mit der Frage, warum der Stuttgarter auf den Heilbronner Roten schwört, während für andere Schwaben ein Stammtisch ohne Bier undenkbar ist. Helga Müller nahmen mit ihrem Text „Schrippe trifft Weck“ die Beziehung der Berliner zu den Schwaben aufs Korn. Margrit Wolff sorgte für „Tumult im Nähzimmer“: Frau Pfaff und Herr Schere sprechen Fräulein Stoff ihren Wunsch ab, zu einem exquisiten Outfit für die „April-April“-Lesung zu werden. Rita Schade blickte mit „Gottgefällig“ zurück auf ihre Kindheit, als sie sich im Kinderchor die langen Predigten des Pastors mit dem Lesen von Comic-Heften vertrieb.

Ingrid Koch beendete auch den zweiten Teil und brachte das Publikum noch einmal herzhaft zum Lachen, als die vom gesunden Kraut der Brennnessel erzählte oder vom Liebstöckl, auf dessen Namen sie sich zuerst keinen Reim machen konnte. Verständnisvolles Nicken gab es im Saal, als Koch davon berichtete, wie sie eine Diät nach kürzester Zeit unterbrochen und den Winterspeck stattdessen in neue Kleider gesteckt hatte – um dann darüber zu jammern, was der Winter wieder gekostet hat.

 

Signatur-Vorsitzende Angelika Banzhaf sprach in ihrem Schlusswort über die Arbeit an Texten und wie diese von der Idee zum Skript und schließlich zum Vortrag reifen. Sie freute sich mit den Autoren und dem klatschfreudigen Publikum über die gelungene Lesung.

 

Foto: Haben den Besuchern der „April-April“-Lesung vergnügliche Stunden beschert (von links): Rita Schade, Marion Pesce, Ottmar Meschenmoser, Gesina Hittinger, Margrit Wolff, Ingid Koch und Helga Müller. (Foto: Signatur)