Literarische Blicke auf Krieg, Kunst und Heimat
Dorothea Neukirchen und Hajo Fickus präsentieren eigene Texte bei der „worTTkunst“-Lesung
Tettnang - In der Reihe der Autorenlesungen zur Ausstellung „worTTkunst“ (Kavaliersgebäude, Schlossstraße 2) lasen am vergangenen Sonntag, 20. September, die Signatur-Mitglieder Dorothea Neukirchen und Hajo Fickus Texte zu Bildern der Tettnanger Künstlerin Silke Sautter-Walker, ergänzt durch sonstige eigene Werke. Beide verbindet nicht nur das Schreiben, sondern auch die langjährige Beschäftigung mit Schauspiel, Theater und Film.
Während bei den anderen Exponaten der Ausstellung die Texte nach bereits vorhandenen Bildern verfasst wurden, haben Neukirchen und Fickus bei ihren Text-Bild-Kombinationen ihre Texte vorgegeben, auf die Silke Sautter-Walker dann jeweils mit einem Bild reagierte. So beschreibt Dorothea Neukirchen in ihrem Gedicht „Raus aus den Nachrichten“ eine unwirklich scheinende Situation, in der sich zunächst harmlose Beobachtungen am See durch Assoziationen zu den Kriegen dieser Welt ins Bedrohliche verzerren und die Insekten sich zum Beispiel in Kriegsdrohnen verwandeln; Sautter-Walker ließ sich dadurch zu einem in kaltem Stahlblau gehaltenen Bild inspirieren, in der Natur und Technik ebenfalls eine unheilvolle Verbindung einzugehen scheinen. Hajo Fickus ergänzte das Thema durch seinen Text „peace jukebox“.
Eher ironisch-satirisch war dann Neukirchens Kurzgeschichte „Erfolg“ über die verschiedenen Möglichkeiten, im Kunst- und Galeriebereich Anerkennung zu finden, thematisch natürlich im Rahmen einer Kunstausstellung eine besonders passende Wahl. Sie schloss ihre Lesung mit einem Auszug aus ihrem neuesten Roman „Ella und Luise“.
Weniger bedrohlich ging es in der Bild-Text-Verbindung „kleine alte stadt“ zu, zu der Hajo Fickus einen Text verfasst hatte, der zusammen mit Sautter-Walkers Bild deutlich die Stadt Tettnang mit Schloss und Hopfenfeldern in den Mittelpunkt rückt; aber auch hier bleibt die scheinbare Idylle des ersten Lesens und Betrachtens nicht völlig ungebrochen, das „Früher“ kann heute nicht mehr allein als positiver Zielpunkt fungieren. Fickus setzte die Lesung mit einer ähnlichen Thematik fort durch einen Text über eine fast utopisch anmutende „Heimat“, dann folgten noch eine eher skurrile Beschreibung eines alt gewordenen Katers und ein aktuelles Kurzgedicht zum Thema „Demokratie“.
Die ca. 20 Besucher und Besucherinnen, die sich zu den Lesungen eingefunden hatten, belohnten die Lesenden mit reichem Applaus.
Bild zur Meldung: Hajo Fickus und Dorothea Neukirchen haben am 20. September 2026 im Rahmen der Ausstellung "worTTkunst" im Kavaliersgebäude in Tettnang eigene Texte gelesen.



