Literatur und Musik treffen sich im Schloss Gießen
Erschienen am 8.12.25 in der Schwäbischen Zeitung Tettnang
Text und Foto: Annette Rösler
Literatur, Musik und Adventsstimmung vereinten sich im Schloss Gießen bei einem besonderen Abend voller Klänge und Geschichten.
KRESSBRONN – Zur Einstimmung auf den letzten Monat des Jahres und das herannahende Weihnachtsfest haben sich am ersten Advent, 30.11.2025, Literatur und Musik im „Schloss Gießen“ ein Rendezvous gegeben.
Der ehemalige Lehrer und Literaturliebhaber Markus Schweizer und der erfahrene Musiker Karl Albrecht Fischer, alias „Bobbi“ Fischer aus Stuttgart, boten mit erlesener Abendlektüre und wunderschönem Klavierspiel ein besonderes Erlebnis.
Die mittelalterliche Burganlage bot dafür den idealen Rahmen. „Worthandwerkerin“ Ingrid Koch dankte in ihren Begrüßungsworten den Schlossbesitzern, „da sein zu dürfen“. Mit Blick auf das zahlreiche Publikum meinte sie: „Mir sind weg und hin, dass es so voll ist.“
„Mir“ das ist die „kleine, aber feine Literarische Vereinigung Signatur“ aus Tettnang, die an unterschiedlichen Orten Lesungen veranstaltet und Gastgeber war.
An den Herbst erinnerten Markus Schweizer und Bobbi
Fischer noch mit „die letzten toten Blätter sind gefallen“ und dem Klavierstück „Les feuilles mortes“ von Joseph Kosma.
Dann las Markus Schweizer den Reim „Es schneielt, es beielet, es goht an kalter Wind“ und „schneien“ von Robert Walser: „Schnee, der alles weiß, weich, still und sauber macht sowie von „uneinschneibaren“ Dingen wie Seen und Flüssen.
Bobbi Fischer spielte „Still from night“ von Ola Gjeilo.
Eine wahre Geschichte aus Tettnang zum Nikolausbesuch bei einer Familie mit drei Töchtern auf einem abgelegenen Hofgut folgte. Nikolaus samt Knecht Ruprecht (Bekannte der Familie) erschienen wie geplant. Als Ruprecht den Sack mit den Gaben hätte bringen sollen tauchte er nicht auf. Der Hausherr ging nachschauen und sah, dass der Hofhund Knecht Ruprecht mit fletschenden Zähnen daran hinderte, den Sack zu holen, der neben der Türe deponiert war. Ein scharfes „Aus“ des Hausherrn rettete den Abend.
Dazu auf dem Klavier „Knecht Ruprecht“ von Robert Schumann.
Es folgte aus „Dezembergeschichten“ des Schweizer Kolumnisten Peter Bichsel „Die heilige Zeit“. Ein Freund bittet um eine Geschichte, der Kolumnist meint: „Irgendwas zu reden ist schwieriger als zu schweigen.“
Bobbi Fischer spielte eine Improvisation mit einzelnen, sanften Akkorden, bis der letzte Ton langsam verklungen war.
Aus dem bekannten Roman von Martin Walser „Ein springender Brunnen“ las Markus Schweizer, wie der damals etwa fünfjährige Walser den Heiligen Abend in seinem Elternhaus, der
Bahnhofsrestauration in Wasserburg, erlebt hatte. Gefeiert wurde mit der Familie, dem Personal sowie den letzten Gästen. Ein Brandloch im Ärmel seines neuen Norwegerpullis machte ihm dabei sehr zu schaffen.
Nach einem Bach-Choral mit Jazz-Touch „Vom Himmel hoch“ und einer kleinen Pause wurde es teuf lisch.
Schweizer las aus der Geschichte von Michael Ende vom bösen Zauberer Beelzebub Irrwitzer, der in der Silvesternacht
dem Abgesandten seines Chefs aus der Unterwelt, Herrn Made, Rede und Antwort stehen musste. Beelzebub Irrwitzer hatte die ihm aufgetragene Zerstörung der Welt durch Krankheiten, Kriege und Katastrophen nicht zum vorgeschriebenen Zeitpunkt erfüllt. Wie, und ob er es seit 1976 hinbekommen hat, könne man selbst beurteilen, ....
Die Musik dazu „der Zauberlehrling“ von Paul Dukas.
Zum Abschluss las Markus Schweizer den Wunschzettel eines Kindes von 1995 vor, den er in einem gebrauchten Buch vom Flohmarkt gefunden hatte.
Es versprach „da es sehr viele Wünsche habe“ seine Eltern dieses Mal nicht auszubeuten: Es hätte nur gern die Erlaubnis für einen Hund, eine Katze, ein Kaninchen. Futter und Tierarztkosten zahle es selbst vom Taschengeld. Ein bestimmtes Telefon für 129 DM oder eine Videokamera wären noch ein zusätzliches Geschenk. Es wäre dafür auch immer lieb, nett und hilfsbereit und würde dafür auf ein Baby verzichten!
Mit einem Bayerischen Adventsgedicht, dem Lied „Christmas Time Is Here“ von Vince Guaraldi und großem Beifall endete der Abend.
Bild zur Meldung: Ein Abend im Schloss Gießen vereinte Literatur und Musik in stimmungsvoller Atmosphäre und läutete feierlich die Adventszeit ein.



