Signatur-Autoren widmen sich dem Thema Freiheit
Erschienen am 4.7.25 auf der Heimatseite der Schwäbschen Zeitung Tettnang:
Lesereihe "Literarische Fundstücke" kommt gut an
Kressbronn – Bereits zum dritten Mal war die literarische Vereinigung Signatur am 25.6.2025 mit ihrer Reihe Literarische Fundstücke in der Bücherei Kressbronn zu Gast. Diesmal stand ein besonders vielschichtiges Thema im Mittelpunkt: „Freiheit, die ich meine“. Vier Autorinnen und Autoren beleuchteten dabei ganz unterschiedliche Aspekte dieses Begriffs.
Hajo Fickus aus Wangen/A. eröffnete den Abend mit einem historischen Rückblick und zitierte Jonathan Swift, der bereits im 17. Jahrhundert die Frage stellte: „Was nützt die Freiheit des Denkens, wenn sie nicht zur Freiheit des Handelns führt?“ Damit schlug er den Bogen zu aktuellen Diskussionen um individuelle Freiheiten und gab mit auf den Weg: „Frei sein kann immer nur heißen, sich nicht einschüchtern zu lassen, sich nicht bedrängen zu lassen, sich nicht die Rechte, die Würde, den Glauben absprechen zu lassen.“
Helga Müller (Tettnang) stellte die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner vor, die sich bereits im 19. Jahrhundert unermüdlich für den Frieden einsetzte. „Ihr Kampf für die Liebe war seinerzeit ein Skandal, ihr Kampf gegen die Waffen veränderte die Welt“, betonte Helga Müller. Bertha von Suttner korrespondierte eng mit Alfred Nobel und inspirierte ihn maßgeblich zur Stiftung des Friedensnobelpreises.
Martin Brenner-Burkhard aus Friedrichshafen rückte Herta Müller in den Fokus, die während der kommunistischen Ceaușescu-Diktatur in Rumänien unter massiver Überwachung durch die Geheimpolizei stand. Mehrfach versuchte der Geheimdienst, die Schriftstellerin als Informantin zu gewinnen – ohne Erfolg, wollte sie doch frei bleiben, wie Brenner-Burkhard erklärte. Gerade ihr Widerstand führte dazu, dass sie noch stärker bedroht und in ihrer beruflichen Existenz eingeschränkt wurde.
Roswitha Stumpp (Meckenbeuren-Langentrog) blickte ins Jahr 1594 und auf Shakespeares Komödie Der Widerspenstigen Zähmung: Katharina, die einst Widerspenstige, wurde zur unterwürfigen Ehefrau, ihr Mann zum absoluten Herrscher. „Es hat sich viel verändert seit Shakespeares Zeiten“, so Stumpp, „aber dennoch ist noch Luft nach oben.“ Abschließend gab sie – in Anlehnung an Erich Frieds Gedicht Freiheit – mit auf den Weg: „Freiheit herrscht nicht.“
Die Lesereihe zeigte eindrucksvoll, wie facettenreich das Thema Freiheit ist und wie Literatur dazu beitragen kann, dieses Grundrecht stets neu zu reflektieren.
Bild zur Meldung: von links: Martin Brenner-Burkhard, Kressbronns Büchereileiterin Sigrid Kögler, Helga Müller, Roswitha Stumpp und Hajo Fickus. Foto: privat



