Spannende Texte siegen im Signatur-Literaturwettbewerb
(TETTNANG/sz) An die 200 Besucher sind am Donnerstagabend auf Einladung des literarischen Vereins "Signatur" und der Volksbank Tettnang zum "Marktplatz" in die Volksbank gekommen, um die Verleihung des 4. Literatur-Förderpreises an die drei Sieger live mitzuerleben. Die Preisträger kommen aus Frastanz, Uhldingen-Mühlhofen und Lindau. Von unserem Mitarbeiter Helmut Voith Vorstandsmitglied Jürgen Strohmaier freute sich, dass der Marktplatz der Volksbank so eng besetzt war: "Es ist ein schönes Erlebnis für uns alle, dass Literatur den Saal füllt." Eng war es auch bei dem alle zwei Jahre gemeinsam von Volksbank und Signatur ausgeschriebenen Literaturwettbewerb geworden: Wegen des großen Andrangs musste ein Anmeldestopp verhängt werden. Auf die Jury wartete eine riesige Arbeit, mussten die Mitglieder doch 165 Texte zum Thema "Im Schatten" lesen und ihre Favoriten auswählen. Schreiben, so Angelika Banzhaf, Vorsitzende von "Signatur", bedeute Können, Kreativität, Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. Nicht nur bewegende Geschichten sollten es sein, so Juror Walter Rech, sondern auch sprachlich und literarisch gute Texte. 21 Autoren kamen in die engere Wahl, zuletzt wurden drei Preisträger festgelegt, noch war die Reihenfolge unbestimmt. Drei Juroren stellten jeweils einen der drei Autoren vor, jeder las seinen Beitrag, dann hatte auch das Publikum als Ganzes eine Stimme zu vergeben, wer nun welchen Preis gewinnen sollte. Den ersten Preis erhielt Frau Jytte Dünser aus Frastanz. "Im Schatten der Berge" hat sie ihren konzentrierten Text überschrieben. Die bald achtzigjährige Autorin schildert das entscheidende Erlebnis eines 21-jährigen Bauernsohns, der von seinem Vater gezwungen wird, auf dem Hof zu bleiben, und sich nur mit Hilfsarbeiten ein wenig dazuverdienen kann. Die besonders hässliche Arbeit, auf einer Eierfarm Hunderte von Hühnern zu köpfen, bringt ihn zur Erkenntnis, dass er sich von den Eltern lösen und seinen eigenen Weg gehen muss, und das tut er auch. Die fesselnd geschriebene Geschichte ist realitätsnah, sie zeigt viel Verständnis für den jungen Mann und seine Probleme. Um junge Menschen, die in ausgelassener Stimmung am Seeufer feiern, geht es in dem bisweilen etwas künstlich klingenden Beitrag "Im Schattendasein" der zweiten Preisträgerin, der 24-jährigen Ute Hanel aus Uhldingen-Mühlhofen. Ein Unglück geschieht, nüchtern kontrastiert durch die medizinischen Erklärungen einer Krankenschwester. Schon über vierzig Jahre lebt der dritte Preisträger, der türkisch-stämmige Osman Temur aus Lindau, in Deutschland. Er lässt in seinem Text "Meine Archäologen" seinen Ich-Erzähler, einen in der Türkei geborenen Berliner mit deutschem Pass erzählen, wie er sich mit seiner eigenen Identität auseinandersetzen muss. Das Wechseln zwischen verschiedenen Kulturen wird hier thematisiert, Humor blitzt auf, der eigentlich bitterernst ist. Ein Mensch zwischen den Welten - erst die Folgegeneration wird es leichter haben, vielleicht. Das Publikum entschied sich ebenso wie die Jury für Jytte Dünser, während der zweite und dritte Platz eng beieinander lagen. (Erschienen: 22.10.2010 13:40)
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