Sich „Auf Augenhöhe“ begegnen
Der Literaturverein „Signatur“ hat jüngst ein neues Buch mit Beiträgen von 23 Autoren herausgegeben. Sie kommen aus der Euregio Bodensee, dem Allgäu und Oberschwaben und haben sich am „3. Förderpreis für Literatur“ beteiligt. Der in Wangen lebende Hajo Fickus gehört der Jury an. Walter Rech, ebenfalls aus Wangen, ist Mitglied des Beirats und Autor. (WANGEN/sz)
Von Babette Caesar "Auf Augenhöhe – Mal anders gesehen“ nennt sich der Titel des Bandes, für den Hajo Fickus das Vorwort geschrieben hat. „Augenhöhe ist ein räumlich-körperlicher, aber auch ein sozialer Begriff“, zitiert er das Internet-Nachschlagewerk Wikipedia. Beides müsse nicht immer miteinander harmonisieren. Fickus führt Menschen an, die selbst im Sitzen noch auf einen herabschauen, wo dem Gegenüber auch kein Sockel oder Podest zwecks Statuserhöhung nütze. Dass sich zwei Personen auf echter gleichberechtigter Augenhöhe begegnen, sei bis heute eher selten anzutreffen. Recht unterschiedliche Antworten auf solche Statusfragen bieten dem Leser die anlässlich des Schreibwettbewerbs, zu dem Signatur alle zwei Jahre aufruft, publizierten Erzählungen, Kurzgeschichten und Gedichte. Seit 2004 (Thema:„Durchgeknallt“, 2006: „Treibholz“) wird der Förderpreis unter Vorsitz von Angelika Banzhaf und Ingrid Koch mit Unterstützung der Volksbank Tettnang und dessen Vorstandsvorsitzenden Hubert Mayer vergeben. Für die dritte Runde sind 2008 insgesamt 60 Einsendungen eingegangen. 23 ausgewählte Texte hat Signatur jetzt als handlichen Sammelband herausgegeben, darunter auch die Preisträger. Roswitha Stumpp aus Tettnang belegte mit Gedichten den dritten Platz, Zweite wurde Anja Jonuleit aus der Bodensee-Region mit der Erzählung „Noli me tangere“. Charlotte Dressen aus Konstanz ist mit der Kurzgeschichte „Begegnung auf Augenhöhe“ Gewinnerin des dritten Förderpreises. Große literarische Spannweite: Da finden sich heitere und ernste Texte, sehr persönliche neben hochpolitischen Beiträgen, Erzählungen aus dem ganz normalen Alltag neben philosophischen Reflexionen, Geschichten mit Lokalflair genauso wie Storys aus weit entfernten Teilen der Welt“, umreißt Fickus die literarische Spannweite, der sich die vierköpfige Jury gegenüber sah. „Ein Protestbrief“ an selbige von Claudia Kejwal eröffnet den Band. Diesen, so Fickus, habe man den Lesern nicht vorenthalten wollen und wünscht trotz aller selbstkritischen Zerknirschung viel Vergnügen. Letzteres hat man beispielsweise beim Lesen des Beitrags von Autor Walter Rech aus Wangen. Sein „Flocke, Ach Flocke!“ erzählt von einer sonderbaren Liebe zu dem gleichnamigen Eisbärbaby im Nürnberger Tiergarten, dem der Ich-Erzähler mit Haut und Haaren verfällt. „Ich und Flocke“ kommen sich trotz Gitterzaun und Graben immer näher, denn, so die Vorstellung ihres Fans, was könnte dieses von Pflegerinnen umgebene Eisbärkind mehr vermissen als eine männliche Bezugsperson! Der Sammelband „Auf Augenhöhe – Mal anders gesehen“ mit Prosa und Lyrik von 23 Autoren ist anlässlich des „3. Förderpreises für Literatur“ im Herbst 2009 erschienen. Herausgeber ist die literarische Vereinigung „Signatur“. Farbige Illustrationen von Jürgen Weing. 93 Seiten. 14,80 Euro. (Erschienen: 04.01.2010 13:10)
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