Sie sind rührig, die Leute von Signatur e.V. Immer wieder wird ein Thema ausgeschrieben, dann kommen die Einsendungen. 60 waren es diesmal - eine harte Arbeit für die Jury, die vielen Texte zu sichten. Es fällt immer schwer, hier die drei besten für den zweijährig verliehenen Förderpreis der Volksbank herauszupicken, manche andere hätten es ebenso verdient, um-so erfreulicher, dass die besten zwanzig davon auch gedruckt wurden.
Gediegen sieht er aus, der neueste Band, in edlem Rostrot der handschmeichelnde Umschlag, fadengeheftet die Lagen wie früher, heute leider eine Rarität. Eine Rarität sind auch die hier abgedruckten Texte. Kurze Erzählungen zumeist und Kurzgeschichten, einige Gedichte. Nathalie Niethammer hat ein sehr schönes Layout gestaltet, diesmal ging es vor allem darum, die hintergründig witzigen Zeichnungen von Jürgen Weing am genau richtigen Ort zu platzieren.
Alles ordnet sich dem Motto "Auf Augenhöhe - mal anders gesehen" unter. Der Titel macht stutzen, genau wie der Inhalt der meisten Geschichten. Es sind Erzählungen aus dem Alltag, zumeist mit einer überraschenden Wen-de. Texte, deren wahrer Sinn sich oft erst beim zweiten Lesen erschließt. Dann beginnt das Nachdenken. Gedanken anstoßen, das ist der Sinn der Texte. Es gibt viele Möglichkeiten, die Welt zu sehen. Es gibt häufig auch eine andere Sicht als die geläufige.
Das Spektrum der Texte ist weitgespannt. Es reicht vom kleinen Schüler, der sich unsterblich in die Lehrerin verliebt hat und endlich das tut, was er unbedingt tun musste, bis zum Gekündigten, der Monate später bei der Arbeitsvermittlung den trifft, der seinerzeit seinen Platz besetzt hatte, dann kommt die überraschende Wende.
Es ist schön, dass es so ein Forum gibt für Menschen, die schreiben. Bei Signatur können sie sich der Öffentlichkeit stellen. Was könnte besser zum Kaufen und Lesen anregen als eine Buchvorstellung, die so richtig Appetit darauf macht. Passend zum ungewöhnlichen Inhalt umrahmte Florian King die Vorstellung mit musikalischen Experimenten am Kontrabass. Nach dem Dank des Hausherrn Jürgen Strohmaier und der Vereinsvorsitzenden Angelika Banzhaf an alle Beteiligten und einer prägnanten Einführung durch Lorenz Göser stellten Ingrid Koch, Hermann Marte und Hajo Fickus ausgewählte Beiträge vor. Sie lasen nicht, sondern ließen sie in lebhaftem Spiel lebendig werden. Wer wollte sich nicht mit allen dreien amüsieren über die ins Irreale übersteigerte Brautschau der Ravensburger Stadtoberen im südlichen Montélimar. Kein Wunder, dass Strohmaier zuletzt Hans Rosenthals "Das war Spitze" zitierte.