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Wenn das Wort zu Gast bei der Kunst ist

07.12.2019

Von Annette Rösler, erschienen am 9.12.19 in der  Ausgabe der Schwäbischen Zeitung Tettnang

 

Tettnang - Neun Autoren der literarischen Vereinigung Signatur haben am Samstagvormittag in den Räumen der ehemaligen Parfümerie Balle bei „Wort zu Gast bei Kunst“ aus ihren Werken gelesen, jeder Autor hatte 15 Minuten Zeit. Die Lesung war ein Gemeinschaftsprojekt mit der Künstlergruppe „stARTup“, welche die leer stehenden Räume als Galerie nutzt. Vorsitzende Angelika Banzhaf dankte den Künstlern für die Einladung und übergab das Wort an den ersten Autor, Manfred Aumiller aus Tettnang. Er las aus seinem Roman „Und was kommt danach?“, bei dem es um das Szenario einer Naturkatastrophe geht.

„Wie war das bei euch am Anfang mit dem Autorenleben, und was wünscht ihr euch für eure Bücher?“ fragte Angelika Banzhaf die Autoren. Axel Rheineck aus Langenargen erinnerte sich, dass er erst nach der Tätigkeit als Geschäftsführer und dem Umzug nach Langenargen mit dem Schreiben begonnen hat. Seine heiter-nachdenklichen Gedichte sind in seinen komplett selbst gestalteten Büchern und regelmäßig im „Montfort-Boten“ zu finden.

„Weihnachtsfreuden“, die aus „Friede, Freude, Harmonie und gebratenem Federvieh“ bestehen, sowie viel Heiteres zu Körperfülle und fehlendem Männerhaar, war aus dem Buch „Hirn im Schaukelstuhl“ zu hören. Manfred Aumiller hatte mit dem Schreiben anlässlich eines Ehestreits begonnen. „Wer sein Buch ,Nie mehr streiten’ gelesen habe, würde das auch nie mehr tun“ versprach er.

Diemut M. Bek, die mit ihrem Mann einen Bio-Bauernhof in Wangen betreibt, hat im Sandkasten mit ihren Kindern beschlossen, ein eigenes Buch zu schreiben. Sie hatte das Glück, einen kleinen Verlag zu finden, der ihr Kinderbuch „Schiller Wolkenkind“ herausgebracht hat. Es handelt von dem Regentropfenmädchen „Schiller“, das für die Regenfrau schillernde Farben sammelt, damit die kranken Flüsse der Welt wieder geheilt werden können.

„Finanziell rechnet sich das Schreiben nicht“, sagte Bek. Einen Verlag zu finden, sei sehr schwierig, unterstrich Johannes Richter aus Friedrichshafen. „Es ist alles zu sehr ,verdurchwirtschaftet’, die Kunst sollte freier werden. „Uns kleineren Autoren fehlt eine Plattform und wir würden uns mehr überregionale Aufmerksamkeit der Presse wünschen.“ Johannes Richter hat sein erstes Gedicht 1984 geschrieben, er las anspruchsvolle Passagen über Beziehung und Heilkunst aus „Odradek Variationen“ und „Chi“.

Helga R. Müller aus Tettnang hat schon als Mädchen begonnen zu schreiben. Als leidenschaftliche Türkeireisende, 17-mal war sie schon dort, schrieb sie eine Liebesgeschichte über eine deutsche Studentin und einen türkischen Fischer. Ihr Buch „Herz der lila Distel“ hat sie schon erfolgreich bei mehreren Lesungen präsentiert.

„Ich habe mal ein Büchle bekommen, das mir überhaupt nicht gefallen hat“, erzählte Maria Morandell aus Langenargen. „Des kann i au no“ dachte sie damals und legte los. Humorvoll, herzlich und berührend klingen ihre Texte aus „Buachschtabe-Supp“ und „Schwäbisch gschwätzt und Deutsch geredet“. Viel zum Schmunzeln gab es bei Ottmar Meschenmosers Gedichten aus dem Buch „Es isch em Schwob sei Privileg“. Meschenmoser stammt aus Weingarten und war eher der Musik zugetan, ehe er zu schreiben begann.

Die Lindauerin Bianca M. Schenk hatte ein ernstes Thema gewählt. Die Ausschnitte aus ihrem Buch „Das Leben der Else H. Ich wollte nicht heim ins Reich“ handelten von Else H., einer Sudetendeutschen, die nach Deutschland zurückkehren muss, wo sie nicht hin möchte.

Romantisch-Melancholisches, Ironisches und Gesellschaftspolitisches sowie Erotisches, las zum Abschluss Wolfgang Mach aus seinen Gedichten „Verstecktes Licht, Frisches Gedicht, noch warm, Ferne Tage auf dem Müll“ und „Göttin der Finsternis“. Mach lebt in Bad Waldsee, er schreibt und fotografiert.

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Wenn das Wort zu Gast bei der Kunst ist