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Langer Applaus für Ingrid Koch und Hajo Fickus

28.09.2018

„Oh Heimatland! – Segen oder Fluch?“: Für einen Abend ist der Dorftreff in Hiltensweiler ihre Heimat

Von Annette Rösler

(erschienen am 1. Oktober 2018 in der Schwäbischen Zeitung Tettnang)

Zwei bekannte Autoren der Tettnanger Literarischen Vereinigung Signatur haben sich am Freitagabend im voll besetzten Dorftreff in Hiltensweiler mit diesem Thema auseinandergesetzt. Monika Sprenger begrüßte die Tettnanger „Worthandwerkerin“ Ingrid Koch und den Autor und Theatermacher Hajo Fickus. Sie freue sich, den Autoren an diesem Abend „eine Heimat“ im Dorftreff Hiltensweiler zu geben. Hajo Fickus nannte Ingrid Koch „Heimatdichterin“, womit diese anfangs nicht ganz einverstanden war. „Doch wenn ich so an mein Tettnang denk’, geht mir das Herz über. Oh Tettnang, du mei’ Heimatstadt, auch wenn du eine seckelblöde Ampelschaltung hast und überall Tebablocks reindrückst und trotzdem immer noch zu klein für einen OB bist, wärst du ein Mann, ich würd’ dich umarmen.“

Hajo Fickus’ Verhältnis zu seiner Heimat ist eher zwiegespalten. Nach mehr als 30 Jahren in Wangen fühle er sich manchmal immer noch fremd. Ob das an Integrationsproblemen liege? fragte Koch. Er hege eine misstrauische Sympathie: Kleinstadt, zu putzig geputzt, zu katholisch. Trotz allem antworte er auf Fragen von Touristen „ja, ich bin von hier“. Es sei auch nicht viel Spektakuläres los, so Hajo Fickus, „nur manchmal“ steige das Wasser der Argen und überflute das Land, „nur manchmal“ brenne ein Haus ab oder fallen Bomben aufs Rathaus, „nur manchmal“ sprenge sich ein Attentäter in die Luft – „ganz selten, eigentlich fast nie.“

Er schilderte einen Abend mit Nieselregen, Spätseptemberkälte, als ihm das Benzin ausging, zwischen Wangen und Isny, weit und breit keine Tankstelle, nur eine Wirtschaft. „Was willst du denn hier? fragten die Männer am Stammtisch. Er schilderte seine Misere und bat um einen Benzinkanister, jedoch besaßen nur Zwei ein Auto. Einer meinte, er könne ihm „vielleicht“ helfen und fragte, was er für den Liter Sprit bezahlen würde. Er habe sich gefühlt, wie unter die Räuber gefallen. Ja, so sind die Schwaben, meinte Ingrid Koch, gescheit, gutmütig und sparsam. Seit Ingrid Koch „genullt hat„ also eine Null an der Sieben hängt, sei alles nicht mehr so wie früher. Ihr falle auf, dass alle fünf Kilometer ein Fest sei, die „Feschtlespest“ greife um sich, Rattenfest, Kuh- und Saufest, Strandbadfest, Aperolspritzfest, um nur ein paar zu nennen.

Was ist Heimat? Das ist da, wo man sich wohl fühlt. Das kann eine Bank sein oder der Dorftreff in Hiltensweiler. Es könne auch ein Baum sein, wie im Hambacher Forst, so Fickus. Auf einem Baum kann man glücklich leben, ohne Geld, man hat seine Ruhe. Wenn nicht, wie in seinem Sketch über den Baumsitzer Hinz, die Ruhe gestört wird. Kunz wird neugierig und will wissen, warum Hinz da oben sitzt. „Sind Sie ein Spanner oder demonstrieren Sie gegen das Baumsterben? Oder ist das ein Kunstwerk, oder gibt es eine versteckte Kamera?“ „Ich will nur meine Ruhe!“ Leider lässt sich Kunz nicht davon abhalten, herauf zu kommen.

„Oh Heimatland, war des schee!“ Begeisterten Applaus gab es für die beiden Akteure, deren Repertoire noch lange nicht erschöpft war. Ingrid Koch und Hajo Fickus meinten „es war nett, mal was miteinander zu machen“. Das Publikum im Dorftreff Hiltensweiler sah das genauso

 

Foto: Begeistern im Dorftreff: Ingrid Koch und Hajo Fickus. Foto: Rösler