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Sechs Autoren lesen für ihr Publikum

23.04.2018

Sechs Autoren lesen für ihr Publikum

von Annette Rösler

 

erschienen am 23. April 2018 in der Schwäbischen Zeitung Tettnang

 

Tettnang/Laimnau - Heitere, nachdenkliche und freche Texte haben sechs Autoren aus der Region am Sonntagnachmittag im Hotel Ritter in Laimnau einem interessierten Publikum vorgestellt. Vielseitige musikalische Untermalung gab es von Fritz und Benny Hittinger. „Texte am Abend“ ist eine Autorengruppe innerhalb der literarischen Vereinigung Signatur Tettnang. Hobbyschriftstellern und Freunden der Literatur bietet sich in diesem Forum die Möglichkeit, eigene Texte vorzutragen und sich gegenseitig mit Tipps und Ideen zu unterstützen. Helga Müller, in der Gruppe für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, stellte nach der Begrüßung die fünf Autoren vor, deren Werke so vielfältig wie eine bunte Frühlingswiese im April seien.

Rita Schade aus Franken, die mehr als 20 Jahre als selbstständige Fotografin in Tettnang tätig war, hatte Heiteres über ihr Berufsleben aus der Zeit der analogen Fotografie zu berichten. Sie gab zu Beginn eine Geschichte aus ihrer Lehrzeit als Fotografin zum Besten: Ein junger Mann wollte die entwickelten Fotos von seiner Jessica abholen, drei Filme hatte er verknipst. Er nahm die Fotos und sagte: „Sehen Sie, alles Bilder von meiner Jessica. Hier im Wald bei Gegenlicht und da am Bach mit den Blumen. Meine Jessica ist doch super oder was meinen Sie?“ Rita Schade betrachtete alle Bilder, die sehr gut fotografiert waren, aber - „Wo ist denn Ihre Jessica? Die ist nicht drauf, die brauch’ ich doch zum Fotografieren! Aha, Sie haben zu zweit fotografiert. Nein Quatsch, Jessica ist meine Kamera!“ Der junge Mann hatte mit seiner japanischen Kamera Marke Jaschica fotografiert.

Von der Musik zur Lyrik

Ottmar Meschenmoser, ehemaliger Ulmer und in Ravensburg zuhause, war Musiker von Beruf und hatte sich dann der Lyrik zugewandt. Er ist Spezialist für schwäbische Reime, wie beispielsweise vom misstrauischen Schwaben: „Es isch em Schwob sei Privileg, der traut fascht koinem übern Weg, verdächtigt jeden, s’könnt jo sei, dr Oi, dr Ander, der brich ei…“ Allerdings: „Der Argwohn wär beschtimmt entbehrlich, zom Glück, dia meischte Leit sind ehrlich.“

Bianca Schenk, deren Wurzeln in der Tschechei liegen, ist viel in der Welt herumgekommen und lebt in Lindau. Sie hat eine Romanbiographie über das Leben ihrer Mutter geschrieben und verfasst Gedichte. Mit schlaflosen Nächten, langen Leitungen und keinem Talent zum Zeitung lesen, unterhielt sie die aufmerksamen Zuhörer in Laimnau. Sie meint, es geht ordentlich in den Bizeps, eine Zeitung beim Frühstück hoch zu halten ohne sie in den Kaffee oder in die Marmelade zu tunken. „Warum müssen die Dinger bloß so groß sein?“

Maria „Mizzy“ Bohr kommt aus München und bringt einen gehörigen bayerischen Touch in die Runde. Sie ist erst seit kurzer Zeit dabei. Sie bietet einen literarischen Rückblick auf einen Badetag im Jahr 1950, befasst sich mit dem Wandel der Zeit und erzählt eine Anekdote über „Bauer sucht Frau“: „Des Madl vom Tagblatt kommt heut auf’n Hof, i muas scho song, mei Aufregung is groß. D’Neugier is gweckt und i frog mi, wer wohl hinter so ner Anzeig steckt. Sie siagt gout aus und hot a Dirndl o, was sie sich bei der Figur a leist’n ko. Mit gnuag Holz vor der Hütt’n füllt sias gout aus, sie is a Augenschmaus…“

Aus Brandenburg stammt Gesina Hittinger, die als Jugend- und Heimerzieherin tätig ist und in Friedrichshafen lebt. Sie möchte mit ihren Kurzgeschichten das Publikum an ihren Erlebnissen teilhaben lassen. Ein Frühlingstag mit Lisa trägt dazu auf amüsante Weise bei. Die zweijährige und schon recht sprachgewandte Lisa verbringt mit ihrer Oma einen Tag im Garten. Nach dem Abendessen legt sich die Oma gemeinsam mit der Kleinen schlafen und Lisa möchte noch eine Geschichte hören. Die Oma liest zwei Mal Rotkäppchen vor, dann wünscht sich Lisa den Wolf mit den sieben Geislein und so geht das weiter, bis die Oma ein Machtwort spricht. Nun beginnt Lisa ohrenbetäubend zu schreien und die Oma weiß sich nicht so recht zu helfen, bleibt aber konsequent. Dann plötzlich Stille. Eine ganz normale zarte Kinderstimme fragt: „Oma, kannst du bei dem Geplärre überhaupt schlafen?“

Tipps zur Entschleunigung

Manfred Aumiller aus Friedrichshafen, der Kunst und Kultur zu seinem Hobby zählt, beschließt mit einem Gedicht über den Monat April und mit Tipps zur Entschleunigung der morgendlichen Eile, den Nachmittag: „Bist du morgens oft in Eile, dann halt inne eine Weile, lass’ kreisen die Gedanken, was ist zu tun, was mus ich lassen….jetzt setz’ dich hin und träum’ ein wenig…“

 

 

Foto: Die Autorengruppe vom vergangenen Sonntagabend (von links): Manfred Aumiller, Mizzy Bohr, Gesina Hittinger, Margrit Wolff, Rita Schade, Helga Müller (Öffentlichkeitsarbeit), Bianca Schenk und Ottmar Meschenmoser (Foto: Annette Rösler)