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Förderpreis: Spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen der Sieger

19.10.2016

7. Förderpreis von Signatur in der Volksbank verliehen – Jenny Griebel belegt den ersten Platz, Dirk Wittmann den zweiten und Esther Kippe den dritten

Von Christel Voith

 

Tettnang Zum siebten Mal sind am Donnerstagabend, 22. Oktober 2016, in der Volksbank Tettnang die Förderpreise der Literarischen Vereinigung „Signatur“ verliehen worden. Seit 2004 schreibt „Signatur“ alle zwei Jahre einen Förderpreis für Autoren aus der Bodenseeregion, Oberschwaben und dem Allgäu aus, mit im Boot ist die Volksbank Tettnang, die zur Preisverleihung in ihren Marktplatz einlädt und das Preisgeld für die drei Erstplatzierten in Höhe von 500, 300 und 200 Euro sponsert.

80 Bewerber haben Texte, die noch nirgends veröffentlicht sein dürfen, eingereicht – keine leichte Aufgabe für die Jury, wie Lorenz Göser im Namen seiner Kollegen berichtete, denn jeder von ihnen habe alle 80 gelesen, „mit Reaktionen von begeistert bis na ja“. Immer wieder erstaune die große Bandbreite, die das gestellte Thema hervorbringe. Hamlets Klage „Die Zeit ist aus den Fugen“ hatte Signatur zum 400. Todestag Shakespeares zum Thema „Aus den Fugen! Aus den Fugen?“ inspiriert. Viel Privates, Krankheiten und Schicksalsschläge, auch Tabus aus dem Klinikalltag seien unter den Einsendungen gewesen, aber auch Heiteres, Humorvolles.

Die zwölf Besten haben die Juroren herausgefiltert und Kostproben davon vorgestellt, dann waren die Zuhörer im vollen Marktplatz der Volksbank aufgefordert, mit Stimmzetteln die Reihenfolge der drei Finalisten festzulegen.

Vorstand Jürgen Strohmaier freute sich in seiner Begrüßung über die vielen positiven Rückmeldungen zu der zum siebten Mal ausgelobten Veranstaltung und versicherte, dass die Bank die Förderung von Kultur und Sport gerne wahrnehme. In Vertretung des Bürgermeisters stellte Sylvia Zwisler fest: „Signatur ist nicht aus den Fugen, sondern auf bemerkenswerter Erfolgsbahn.“

Signatur-Vorsitzende Angelika Banzhaf blickte zurück auf die vergangenen 18 Preisträger, dankte der Volksbank, die die Vereinigung in jeglicher Form unterstütze, und stellte die Finalisten vor. Nach kurzen Auszügen aus Beiträgen der Autoren auf Rang vier bis zwölf stellten „Jury-Paten“ die drei Sieger vor. Hajo Fickus sah im Beitrag „Momente“ der 18-jährigen Abiturientin Jenny Griebel aus Lindau einen kunstvoll komponierten Text einer Lyrikerin, die in fragmentierter Sprache über die Bruchstücke der Welt schreibe, mit Worten, die „nach innen Widerhaken tragen“. „Wir sind kein erneuerbarer Rohstoff“, schloss die Autorin ihre Lesung.

Jury-Patin Monika Schüler stellte die Journalistin Esther Kippe aus Kreuzlingen und ihren Beitrag „Ausgeschränkt“ vor: eine humorvolle, ins Groteske gesteigerte Geschichte in der Nachfolge von Peter Bichsel über den Versuch einer Frau, aus ihrem eingeschränkten Alltag auszubrechen.

Eine Stimme entscheidet

Zuletzt stellte Siegrid Hülsen-Schubert den Markdorfer Lehrer Dirk Wittmann und seinen Beitrag „Alec“ vor, eine sensible Erzählung, wie ein Inzest zum Suizid des Protagonisten führt. Sehr dezent beschreibt Wittmann die einmalige Entgleisung, die das Leben dreier Geschwister völlig verändert, für sie die Welt aus den Fugen hebt.

Die Zuhörer waren aufgefordert, ihre Stimme für einen der drei abzugeben. Nach der Auszählung berichtete Angelika Banzhaf, noch sichtlich aufgeregt: „Noch gar nie war die Auszählung so eng wie heute, im Prinzip haben wir drei erste Plätze, eine einzige Stimme hat entschieden.“ Den dritten Platz erreichte Esther Kippe, den zweiten Dirk Wittmann, den ersten Platz Jenny Griebel. Eine Reihenfolge, über die bei Signatur nicht die Jury, sondern das Publikum entscheidet. Nach der Überreichung von Blumen und Schecks durch man noch einmal die atmosphärische Musik von Andrea Rehm, Martin Giebel und ihrem Sohn Adrian genießen. (Erschienen am 22.10.2016 in der Schwäbichen Zeitung Tettnang)

 

Foto: Gratulanten und Gewinner (v.li.): Thomas Stauber, Jenny Griebel, Dirk Wittmann, Jürgen Strohmaier, Esther Kippe, Angelika Banzhaf. Foto: Helmut Voith