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Collihündin „Sex“ lässt kein Auge trocken

26.02.2016

Signatur-Textabend bietet einmal im Monat Autoren ein offenes Forum

 

Tettnang sz - Sie kommen aus Tettnang und einem Umkreis von 30 Kilometern und haben alle etwas gemeinsam: Sie schreiben eigene Texte und wollen sie in beschaulicher Runde vortragen. Bereits zum 47. Mal haben sie hierzu das Signatur-Forum „Textabend“ genutzt.

„Eigentlich schreibe ich gar keine lustigen Texte, die liegen mir nicht“, gibt Helga Müller nach ihrer überaus humoristischen Lesung zu. Keiner der zehn Autoren, die am Mittwoch zum Textabend in den Bären gekommen sind, mag ihr das so recht glauben. Hatte die Tettnangerin doch soeben die illustrierte Runde mit ihrer Geschichte über den kleinen Colli, der den Namen „Sex“ trägt, derart erheitert, dass kein Auge trocken blieb.

Die Schreibende ist von Beginn an bei den monatlichen Treffen dabei. „Die Textabende tun mir einfach gut“, gibt sie zu. „Durch sie traue ich mich auch einmal etwas anders anzugehen.“ Die anderen Teilnehmer nicken zustimmend, viele von ihnen haben die selbe Erfahrung gemacht. Die meisten kennen sich schon lange, das schweißt zusammen und schafft Vertrauen. Vertrauen, das vor allem dann wichtig ist, wenn es mit dem Vortragen eines Textes nicht auf Anhieb klappt oder der Beitrag noch etwas unrund ist. Niedergemacht wird deswegen beim Textabend keiner. Im Gegenteil. „Wir sind nicht hier, um den anderen derart zu kritisieren, dass ihm die Lust am Schreiben vergeht“, erklärt Moderator Heinz Lieber. „Wir wollen motivieren.“ Durch den Austausch in der Gruppe und der Tatsache, dass pro Abend über zehn Texte vorgelesen werden, sammelt jeder Erfahrungen. Die dazu beitragen sollen den eigenen Duktus zu verbessern. Gespannt ist der Moderator deshalb jedes Mal, was die Gäste eingepackt haben.

Mitgebracht hat Gesina Hünicke, die neu in der Runde ist, an diesem Abend eine Erzählung. Sie wollte ein Feedback für ihren Text, der von einem Mädchen handelt, dessen Mutter gestorben ist. „Er ist sehr emotional und wunderbar“, lautete das übereinstimmende Urteil.

Gut geschrieben und interessant

Eine Geschichte muss nicht nur gut geschrieben sein, so die Meinung in der Runde. Sie soll auch interessant sein – was von vielen Faktoren abhänge. Der Dadaismus, dem sich Wolfgang Mach gewidmet hatte, ist eine dieser kreativen Schöpfungen. Die von ihm aneinandergereihten Buchstaben wurden zu Neukompositionen und regten zum Nacheifern an. Eine andere Form war die eines Leserbriefs, den Margit Wolf verfasst hatte. Die Gedichte von Ottmar Meschenmoser, der zu den Übergriffen in Köln reimte, zeigten den Umgang mit Aktuellem und die Lyrik von Beate Kamenisch offenbarte, wie hauchzart der Frühling sein kann. Dieter Gleich legte sein Gedanken zu den Menschen offen, Gertrud Braun lud zum Spaziergang an den See ein und Diemut Bek zum Kartenspiel bei Pennern. Jeder Beitrag war eine Bereicherung: Für die Zuhörer, aber auch für die Schreibenden selbst.

Erschienen am 19. Februar 2016 in der Schwäbischen Zeitung Tettnang

 

Foto: Ein reger Austausch über die eigenen und fremden Texte machen den Signatur-Textabend lebendig. Am Mittwoch haben sich die Autoren aus Tettnang und Umgebung zum 47. Mal im Bären getroffen. Foto: Angelika Banzhaf