April
Die Sonne scheint, aber dunkle Wolken ziehen in Abständen vorbei, der Wind wird böig. Der Stegnachbar hat seine Segelyacht zu Wasser gebracht und schlägt seine Segel an. Ich sitze in meinem Schiff, mache ein Bier auf, höre Radio, fühle mich langsam wohl. Der Nachbar kommt ans Schiff, begrüsst mich, bittet um ein Kaffeefilterpapier und lädt mich zum Kaffee ein. Ich lehne dankend ab. Ich bleib bei meinem Bier und wenn es mich anmacht, öffne ich noch ne Flasche. Hab ja Zeit. Mein Schiff schwoit an den Festmacherleinen hin und her. Der elektrische Heizlüfter wärmt angenehm, ich sitze am Tisch und schreibe. Bin alleine, ist das meine Zukunft, alleine auf meinem Schiff zu sitzen, trinken, rauchen, sich durchschaukeln lassen? Die dunklen Wolken verdichten sich, bald wird es regnen, oder sogar schneien? Noch drei Zigaretten in der Schachtel, das bedeutet, entweder vor dem Regen oder im Regen von Bord. Was wäre, wenn ich heute Nacht an Bord bliebe, nicht nach Hause fahren würde? Ungewöhnlich, aber ein ganz tiefer, tiefer Wunsch ist in mir, alleine zu sein, aber auf dem Meer. Kein Land, nur Wolken, Horizont, Sonne, in der Nacht der Mond, die Sterne und mein Schiff. Ruhe, Stille, nur das Rigg, die Wanten, das Schiff reden mit mir. Atlantik, Größe, Weite, vielleicht Delfine, Wale. An einer Ankerbucht aufwachen, Sonne, durchatmen, schwimmen, grünes blaues Wasser. Bunte Fische, naher Sandstrand und Palmen. Jetzt hat es angefangen zu regnen, nur noch eine Zigarette, ich schalt den Heizlüfter höher. Wieder zu sich selber finden. Lossegeln, zuerst für vier bis sechs Wochen, mal sehen und dann weiter. Wohin? Fremde Länder, einsame Inseln, Häfen, Städte, Dörfer, Menschen, ja das wär`s. Mach es einfach, Heiner, hol dir ein Schiff. Mach es so wie du es dir vorgestellt hast. In Italien oder Kroatien ein Schiff für Wochen chartern und los, los. Geht das so einfach? Nein!, so einfach geht das nicht. Solch ein Vorhaben muss geplant werden, wie in einem Unternehmen und da hört der Spaß auf. Wer mäht den Rasen, wer kümmert sich um das Haus, die Heizung, wer schippt den Schnee vom Gehweg? Wie sicher kommst du an dein Geld im Ausland? Ja, wie kommst du davon los, bist du nicht schon zu alt dazu? Ich geh jetzt besser von Bord. Halt, den Regenschirm brauch ich noch. ISBN 3-9806273-5-7
Herausgeber: © 2008 Heinz Lieber, Matthias Lieber Nachdruck auch auszugsweise verboten. Texte: Heinz Lieber, 88250 Weingarten Aquarelle: Matthias Lieber, 88048 Friedrichshafen Druck: Werner Lieber, 85777 Fahrenzhausen Herstellung: Bettina Deger, geb. Lieber Verlag „AUS DA GMOA“, 85777 Fahrenzhausen
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