15.01.2009: Signatur-Interview mit Anja Jonuleit Drucken E-Mail


Anja Jonuleit: „Ich habe Biografien und Bücher übers Schreiben verschlungen…“

Signatur bringt Autoren ans Licht. Hierzu vergibt der literarische Verein, gemeinsam mit der Volksbank Tettnang, im Rhythmus von zwei Jahren einen Literatur-Förderpreis. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 1.000 Euro stiftet die Volksbank Tettnang.  Wir von Signatur wollten von Anja Jonuleit (sie kam am 9. November 2008 bei der Förderpreisvergabe in der Volksbank Tettnang auf den 2. Platz) wissen, wie sie den Abend empfunden hat und wie sie auf Signatur aufmerksam wurde.
 


Signatur: Frau Jonuleit, wie ist es Ihnen nach der Förderpreisvergabe ergangen?
Anja Jonuleit: So ein Preis ist vor allem immer eine Ermutigung zum Weitermachen.
 
Signatur: Welches Feedback haben Sie erhalten?
Anja Jonuleit: Durchweg ein positives. Die meisten freuen sich mit einem, wenn man Anerkennung erfährt.
 
Signatur: Durch wen oder durch was haben Sie über den Signatur-Förderpreis  „Auf Augenhöhe“ erfahren?
Anja Jonuleit: Durch eine gute Freundin von mir. Später aber auch durch die Presse.
 
Signatur: Und wann wurde die Idee für Ihre Geschichte geboren?
Anja Jonuleit: Ich trage eigentlich ständig Ideen und Pläne mit mir herum. Über dieses spezielle Thema (psychisch labiler Mensch auf der Kippe zum Wahnsinn gerät in die Fänge einer Psycho-Sekte) wollte ich eigentlich einmal ein Buch, einen Thriller, schreiben. Nun ist es halt (erstmal) eine Kurzgeschichte geworden. Vor Jahren hatte ich mich mit dem Thema befasst und bin dann auf das Schicksal eines jungen Mannes gestoßen, der in Kontakt mit einer (bei uns nicht als solche anerkannten) Religionsgemeinschaft geriet, bei dieser Kurse belegte und schließlich Selbstmord beging, weil er sich einbildete, "sie" seien in seinem Kopf. Das hat mich sehr bewegt.
 
Signatur: Sie sind auch Pulitzer-Preisträgerin,  also eine bekannte Autorin. Seit wann schreiben Sie?
Anja Jonuleit: Der Titel ehrt mich, auch wenn ich eigentlich den Putlitzer-Preis (mit "t") der 42er Autoren gewonnen habe. Zur zweiten Frage: Ich bin relativ spät zum Schreiben gekommen, gehöre also leider nicht zu denen, die schon mit 6 ihre ersten Geschichten geschrieben haben. Ich denke mal, mit Mitte dreißig wäre zutreffend.
 
Signatur: Was bedeutet für Sie schreiben?
Anja Jonuleit: Das Schreiben macht mein Leben bunter, interessanter, es bietet mir die Möglichkeit, mich in andere Welten und Leben hineinzuversetzen. Und es bildet wohl einen geistigen Gegenpol zu meinem turbulenten Leben in einer großen Familie.
 
Signatur: Sind Ihre Geschichten Lebenserfahrungen, Fantasie oder beobachten Sie Ihre Mitmenschen?
Anja Jonuleit: Eine Verflechtung von allem, würde ich mal sagen. Manchmal fällt mir ein Wort ein, ein Satz, der irgendetwas in mir zum Klingen bringt oder ich höre eine Zeile eines Liedes, hinter der ich eine ganze Geschichte vermute. Und schreibend versuche ich dann, diese Geschichte freizulegen und sie gewissermaßen selbst zu entdecken. Das macht auch ein bisschen die Spannung beim Schreiben aus: nie ganz genau zu wissen, wo es einen hinführen wird.
 
Signatur: Welches ist Ihr neuestes Werk?
Anja Jonuleit: Eigentlich habe ich zwei neue Werke, bei denen aber noch nicht endgültig entschieden ist, wann genau sie nun erscheinen werden. Schreiben tue ich derzeit an meinem vierten Buch.
 
Signatur: Wie sieht ihre schriftstellerische Zukunft aus?
Anja Jonuleit: Wenn ich das selbst schon wüsste! Ich werde weiterschreiben, das ist es, was ich will. Irgendwie muss man sich doch jeden Tag neu erobern, jede Zeile, Seite, die man schreibt. Und wenn man die eine Sache beendet hat und meint, dass das ja nun einigermaßen akzeptabel war, was man da von sich gegeben hat, dann fängt man beim nächsten doch wieder neu - ganz von vorne an - ein bisschen wie ein Kind.
 
Signatur: Welchen Tipp können Sie Autoren mit auf den Weg geben, welche noch nicht im Rampenlicht stehen?
Anja Jonuleit: Beharrlichkeit, das ist sicher eine Eigenschaft, die man haben sollte. Sich die Lebensläufe anderer Autoren ansehen, sich davon inspirieren und - vor allem - ermutigen lassen. Als ich seinerzeit anfing, habe ich mir alle möglichen Interviews mit allen möglichen Autoren durchgelesen, ich habe Biografien und Bücher übers Schreiben verschlungen. Bei uns in Deutschland herrscht ja - im Gegensatz zu den USA - noch immer dieser Mythos, dass die Schriftsteller einfach so vom Himmel fallen, nachdem die Muse sie geküsst hat. Hierzulande vergisst man gern, dass das Schreiben auch ein Handwerk ist, bei dem es Kniffe und Tricks gibt, die man lernen oder zumindest trainieren kann.
Aber wenn man schreiben möchte, sollte man vor allem eines tun: schreiben. Auf meinem Weg zum Schreiben begleitet hat mich vor allem ein Buch (das ich allerdings auf Englisch gelesen habe), das mir unglaublich viel Mut gemacht hat. Natalie Goldberg: "Writing down the bones" Das war meine erste "Bibel". Die zweite: Julia Cameron: "Von der Kunst des Schreibens"