Erst im Mai dieses Jahres hat die in Immenstaad lebende Autorin Claudia Kejwal ihr erstes Buch veröffentlicht. Seitdem hat sie sich mit sehr gut besuchten Lesungen in der Region einen Namen gemacht. Mit dem SÜDKURIER sprach Claudia Kejwal über ihr nächstes Buch, über das Existenzrecht von Unterhaltungsliteratur und über den Koch Alfons Schuhbeck, der im Fernsehstudio Knoblauch betüddelt.
Wie kam es zu dem Vorhaben, ein Buch zu schreiben?
Ich habe mit Geschichten für Geburtstage und Weihnachten für die Kinder meiner Freundinnen angefangen. Irgendwie hatten die Erfolg. Dann habe ich Schreibseminare besucht, Schreibreisen mitgemacht, hab mich auch beim Schreibcoachung verbessern lassen. Die Resonanz war immer gut – und als ich festgestellt habe, dass Kurzgeschichten nur schwer zu verlegen sind, habe ich mir gedacht: Gut, dann schreibe ich einen Roman. Und dann haben beide Sachen zugleich Verlage gefunden: Sowohl die Kurzgeschichten als auch der Frauenroman. Nur sind die Kurzgeschichten unter dem Titel „Überwiegend sonnig, zeitweise bewölkt“ schneller rausgekommen. Der Frauenroman wird im Frühsommer 2009 erscheinen.
Wovon handelt der Roman?
Der Arbeitstitel, der aber wahrscheinlich noch geändert wird, lautet „Tausche Sofa gegen Karriere“. Es geht um eine Kunststudentin, die nach einem guten Studienabschluss zunächst einmal arbeitslos ist, und die in allem versinkt, was zu einem Frauenroman so dazugehört: Hüftprobleme, Familienprobleme, Probleme mit Eltern und Freundschaften. Sie fackelt die Bude ab, es geht immer tiefer und tiefer. Aber dadurch, dass meine Geschichten positiv sein sollen, geht es am Ende natürlich gut aus – mit einer überraschenden Wendung. Frauenromane gibt es ja wirklich mehr als genügend, aber was mich gereizt hat, war, den Ort des Geschehens in eine lebendige und auch historisch interessante Stadt wie Regensburg zu verlegen und von dem ständigen London und New York in den importierten Frauenromanen wegzukommen.
Können Sie Tipps geben, wie man als Schreibanfäger einen geeigneten Verlag findet?
Suchen, suchen, suchen. Zunächst sollte man in die Buchhandlung gehen oder an den eigenen Bücherschrank und aus der richtigen Kategorie die geeigneten Verlage raussuchen, damit man nicht unnütz Porto ausgibt. Wenn man dann die ersten Absagen von den großen Verlagen kassiert, bei denen auch die Wunschverlage dabei sind, fängt man eben an, die kleineren zu suchen. Man darf nach den ersten 20 Absagen nicht aufgeben.
Welche Erfahrungen haben Sie bei Ihren Lesungen gemacht?
Wunderschöne. Ich hatte das Glück, dass die Lesungen sehr gut besucht waren, dass ich hier in der Region Unterstützung von den Tourist-Infos Immenstaad und Markdorf hatte. Und gerade wenn ich im Südkurier mit Foto angekündigt wurde, hat bei der Tourist-Info das Telefon gebimmelt. Bei der Lesung im Puppenmuseum musste man Leute abweisen, weil es einfach zu klein war.
Sie sind bei der „Buch Wien“ aufgetreten, einer neuen Buchmesse. Wie war da das Gefühl?
Ich war schon ein paar Tage vorher auf der Buchmesse und habe nur drei, vier Besucher erwartet – und als ich dann gelesen habe, waren es 20. Der Tontechniker sagte: ‚Soviel Leute haben wir ja seit Donnerstag nicht gehabt!' Bei der kleinen Buchmesse Wien waren 20 der Wochenrekord. Man muss natürlich damit leben, dass nebendran eine Kinderbühne ist, mit Lautsprechern beschallt, und gegenüber eine andere Bühne, die auch mit Lautsprechern dagegenschießt. Ich habe dann zum Tontechniker gesagt: ‚Wir wehren uns! Sie drehen mir das Mikro auf!' Dreiviertel der Leute sind die ganze halbe Stunde sitzen geblieben, wenige sind gegangen und einer ist eingeschlafen. Ich finde, der arme Mann hatte das Recht dazu. Dazu ist eine Buchmesse da – bei der Frankfurter Buchmesse schlafen die Leute ständig ein.
Sie haben auch Beiträge in Anthologien veröffentlicht?
Ja. In der Anthologie „Wünsch dich ins Weihnachts-Wunderland“ ist meine Geschichte „Auch Engel brauchen manchmal Hilfe“; sie handelt von einem Rauschgoldengel und ich habe sie letzte Woche zum ersten Mal gelesen, im Klinikum Friedrichshafen auf der Kinderstation. Die andere Anthologie ist „Lavendel und Zitronengras“. Meine Geschichte darin heißt „Stimmen“. Da sprechen die Kräuter und Gewürze mit dem Koch Alfons Schuhbeck im ZDF-Kochstudio. Auch Horst Lichter ist dabei; er und sein „Sübbschen mit Kardoffelschen und Zwiebelschen“. Bis ich das im Januar in Regensburg lese, muss ich noch ein wenig Kölsch lernen. Den bayerischen Schuhbeck bringe ich schon hin, wie er seinen Ingwer und sein Knoblauch betüddelt.
Was ist Ihr Antrieb für die Lesungen im Krankenhaus?
Das ist mir ein Anliegen. Als ich noch keinen Verlag hatte, habe ich immer gesagt: Ich gehe ohne Brimborium in ein Kinderkrankenhaus. Und die allererste Lesung aus meinem Kurzgeschichtenband habe ich in einem Pflegeheim für ältere Menschen abgehalten. Natürlich will ich irgendwann die Bücher verkaufen, und es ist toll, wenn ein Büchertisch vorne dran ist und die Buchhandlungen integriert sind – aber das Soziale muss mit dabei sein, denn ich habe am Anfang für Kinder aus meinem Umfeld geschrieben. Bei den Menschen im Heim waren auch Demenzkranke dabei. Sie haben zwar nicht jede Pointe verstanden, aber sie wussten: Für eine halbe Stunde ist der Pflegedienstalltag weg.
Wen möchten Sie mit Ihren Büchern erreichen?
Dass ich nicht so schreibe wie Martin Walser, ist mir klar. So wie es E- und U-Musik gibt, gibt es auch E- und Unterhaltungsbücher. Ich bin im Satellitenbereich beschäftigt, und glauben Sie, dass die Männer dort ein Unterhaltungsbuch lesen? Nein! Aber Kurzgeschichten, das geht dann eben doch. Denn eine schaffen sie, und eine zweite geht dann auch noch. Insofern bekomme ich Leute ans Lesen, die sonst vielleicht nur Fachliteratur lesen würden. Oder Frauen, die sagen: 'Mein Gott, einen dicken Schinken schaffe ich am Abend nicht mehr.' Ich hoffe, dass ich mit dem Frauenroman dann diejenigen kriege, die sagen: 'Ich möchte mich reinversenken, möchte mich reindenken, ich muss mit der Heldin leben können, aber nicht nur sechs Seiten lang.'
Wie sehen Ihre Pläne aus?
Von den nächsten Kurzgeschichten sind schon zwölf fertig; sie sollen 2010 veröffentlicht werden. Und dann gibt es den zweiten Teil des Romans. Also, meine Chefs wissen Bescheid, was ich am Abend mache.
Fragen: Harald Ruppert